Bei der Produktion von Kokain steht Kolumbien seit vielen Jahren an erster Stelle in der Welt. Das weiße Pulver prägte den schlechten Ruf des schönen Landes im Nordwesten von Südamerika. Mit Kokain wurden Milliarden Dollar verdient, Großdealer wie Pablo Escobar und das Medellín-Kartell dominierten den Markt. Außerdem wurden mit den Einnahmen aus dem Kokaingeschäft vierzig Jahre Bürgerkrieg in Kolumbien finanziert. Doch nun bekommt das Land Konkurrenz. Peru steht kurz davor, Kolumbien als weltweit größten Hersteller von Kokain zu überflügeln.

Die UN-Vertretung von Kolumbien hat berechnet, dass im Jahr 2009 auf den Anbauflächen in Peru 119.000 Tonnen Koka geerntet wurden, während es auf kolumbianischen Feldern nur 103.000 Tonnen waren. Die Kritik an den Zahlen ließ nicht lange aus Peru auf sich warten. Die Regierung kritisierte, dass bei dem Vergleich der Erntemenge mit zweierlei Maß gemessen wurde. Bei den Zahlen handle es sich um die Statistik für die Trocknung der Blätter in Öfen.

Die UN überprüfte ihr Zahlenwerk und kam nun zu dem Schluss, dass Kolumbien nach der traditionellen Sonnentrocknung auf knapp 150.000 Tonnen Koka komme, während Peru 128.000 Tonnen produziere. Die UN stellte außerdem einen starken Rückgang des Kokaanbaus in Kolumbien fest. In den vergangen zehn Jahren seien die Anbauflächen um etwa 60 Prozent zurückgegangen – allein im Jahr 2009 um 16 Prozent. Derzeit beträgt die Fläche der Felder, auf denen Koka angebaut wird, rund 68.000 Hektar.

In Peru beträgt die Anbaufläche für Koka etwa 60.000 Hektar, in Bolivien wird die Pflanze auf 40.000 Hektar angebaut. Für den Rückgang in Kolumbien wird die Offensive der kolumbianischen Armee verantwortlich gemacht, die mit Hilfe der USA den Antidrogenplan „Colombia“ umsetzt. Die amerikanische Regierung unterstützte die Aktionen mit mehr als fünf Milliarden Dollar.

Der UN-Beauftragte Antonio María Costa fordert die Regierung von Peru auf, den Drogenanbau in ihrem Land stärker als bisher zu bekämpfen. Die Entwicklung in Peru sei nicht mehr länger hinzunehmen. Laut UN hat sich der Kokainverbrauch in Europa in den letzten Jahren nahezu verdoppelt. Auch in den lateinamerikanischen Großstädten verfallen immer mehr Menschen der Modedroge.