In Kuba sind die Menschen seit den Tagen als die Revolutionäre dort die Macht übernahmen, stolz auf ihre Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Lehrer, Professoren und Ärzte. Doch die Realität an den Hochschulen sieht nicht danach aus, dass man darauf stolz sein könnte. Uwe Sonnewald, der mit einer kleinen Delegation der Alexander von Humboldt-Stiftung nach Havanna gereist ist, um für einen Austausch mit deutschen Universitäten zu werben, kann an der Hochschule von Havanna kein einziges modernes Gerät entdecken.

Die Professoren und Studenten leiden bei ihrer Forschung und bei ihren Studien sehr unter dem US-Embargo. Uwe Sonnewald erzählt, dass in den vergangen Jahren nur 28 Kubaner als Stipendiaten der Humboldt-Stiftung nach Deutschland gekommen sind, um dort einige Monate unter für sie paradiesischen Bedingungen zu forschen. Fast alle von ihnen waren Naturwissenschaftler wie der Biologe Emanuel Mora, der die Fledermauspopulation auf Kuba erforscht. Der Aufenthalt in Deutschland war für den Experten für Bioakustik das Stipendium seines Lebens.

Auch noch Jahre später können die ehemaligen Humboldt-Stipendiaten Zuschüsse für ihre Forschungsarbeiten beantragen, da die Mittel für die Forschung in Kuba stets knapp sind. Die meisten Wissenschaftler sind hier Meister der Improvisation. In Kuba blüht wie in der ehemaligen DDR die Schattenwirtschaft. Emanuel Mora verdient etwa 30 Euro im Monat. Der geringe Verdienst ist einer der Gründe, warum viele Wissenschaftler versuchen, im Ausland einen Arbeitsplatz zu bekommen. Sie wandern zum Beispiel nach Mexiko, Kanada oder die Vereinigten Staaten von Amerika aus.

An der Universität in Havanna studieren rund 33.000 Studenten, aber nur 83 haben im vergangen Jahr promoviert. Wesentlich bessere Bedingungen als an der Hochschule herrschen in einem Zentrum für Biotechnologie und Gentechnik am Stadtrand von Havanna, dass die deutsche Delegation der Humboldt-Stiftung ebenfalls besucht. Hier gibt es einen Computerraum mit einer Großrechneranlage. Kuba hat den Computer vor ein paar Monaten von China beschenkt bekommen. Die Wissenschaftler, die hier arbeiten, stellen unter anderem Impfstoffe her und züchten Nutzpflanzen.