Obwohl die Stadt Otavalo nur 35.000 Einwohner hat, ist sein Indiomarkt der berühmteste und wirtschaftlich bedeutendste in ganz Ecuador, wenn nicht sogar Südamerikas. Vor allem an Samstagen herrscht im Zentrum von Otavalo reges Markttreiben, „Big Poncho Business“ genannt, in dem trotz aller Geschäftigkeit, nie chaotische Zustände ausbrechen. Ab acht Uhr am Morgen befindet sich der Kern des Indiomarkts auf der Plaza de los Ponchos.
Die Indios von Ecuador verkaufen hier gewebte Textilien aller Art, Schmuck, Bilder, Hüte oder selbst getöpferte Keramikgeschirr. Touristen, die hier einkaufen, dürfen gerne Handel – das gehört hier zum Geschäftsgebaren. Bei der Qualität der Ware sollten die Käufer allerdings ganz genau hinschauen. Nicht alles, was hier angeboten wird, ist Handarbeit. Viele Souvenirs stammen inzwischen aus der Massenproduktion.
Dennoch bietet der Indiomarkt zahlreiche Gelegenheiten, um billige und schöne Souvenirs für die Daheimgebliebenen oder sich selbst zu kaufen. Auch Hobbyfotografen kommen bei dem bunten Markttreiben in Otavalo voll auf ihre Kosten. An pittoresken Motiven herrscht hier kein Mangel, sondern Überfluss – die farbenprächtigen Trachten der Indios, die Obststände, mit ihren bunten Auswahl an Früchten, Wollbündel, die in allen Farbtönen schillern sowie Touristen in ihren kurzen Shorts und warmen Pullovern aus der Wolle der Lamas.
Die Otavalo-Indianer sind angesehen und für die Verhältnisse in Ecuador relativ vermögend. Zu verdanken haben sie ihren Wohlstand ihrer einzigartigen Webkunst, deren Technik seit Jahrhunderten jeweils an die nächste Generation weitergeben wird. Trotz ihres wirtschaftlichen Aufstiegs haben die Indios ihre indianische Identität nicht vernachlässigt. Ihre Muttersprache ist nach wie vor Quichua.
Die Tracht der Frauen von Otavalo besteht aus langen, schwarzen Röcken und weißen Blusen, die bunte Stickereien zieren. Um den Hals tragen sie oft glänzende Ketten aus Glasperlen und an den Handgelenken Armbänder aus roten Korallen. Wenn ältere Frauen manchmal keine Schuhe tragen, hat das folgenden Grund: Sie wollen mit der Mutter Erde (Pachamama) in engstem Kontakt bleiben. Über der Schulter tragen fast alle Frauen lange und breite Schals. Wer als Reisender in Ecuador unterwegs ist, sollte den Indiomarkt in Otavalo auf keinen Fall verpassen.