Anfang Oktober finden in Brasilien die Präsidentschaftswahlen statt. Die Kandidatin des amtierenden Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva heißt Dilma Rousseff und tritt für die Arbeiterpartei „PT“ an. Sie hat inzwischen den Rückstand zum konservativen Konkurrenten José Serra aufgeholt und liefert sich mit ihm einen ausgeglichenen Wettkampf um das Präsidentenamt. José Serra war früher Gouverneur von São Paulo.
José Serra ist ein sehr erfahrener Politiker. Er war nicht nur Gouverneur, sondern auch Planungs- und Gesundheitsminister während der Regierungszeit des früheren Präsidenten Fernando Henrique Cardoso. Seine politischen Pläne unterscheiden sich allerdings kaum von der erfolgreichen Sozial- und Wirtschaftspolitik Lula da Silvas. Er möchte das Wirtschaftswachstum forcieren, das seiner Ansicht nach nur durch einen dramatischen Ausbau der Infrastruktur in Brasilien umzusetzen ist.
Kritiker werfen José Serra vor, kein eigenes politisches Konzept zu entwickeln, sondern nur sein Programm an der Politik des amtierenden Präsidenten Brasiliens auszurichten. Ganz ähnlich stellt sich die Lage bei der Kandidatin der Grünen und ehemaligen Umweltministerin Marina Silva dar. Auch sie will die Politik von Luiz Inácio Lula da Silva weiterführen und vertiefen, wobei für sie die „Nachhaltigkeit“ in der Politik die größte Rolle spielt.
Wie nicht anders zu erwarten setzt sich auch Dilma Rousseff für eine gradlinige Weiterentwicklung der Politik Lula da Silvas ein. Ihr Stellvertreter soll der Präsident der Abgeordnetenkammer Michel Temer werden. Dessen Partei, die PMDB ist mit der Arbeiterpartei PT freundschaftlich verbunden. Dilma Rousseff hat allerdings immer noch mit dem Nachteil zu kämpfen, dass die viele potentielle Wähler in Brasilien noch gar nicht kennen.
Ihre Krebserkrankung hat Dilma Rousseff, laut den Aussagen ihrer Ärzte, völlig überwunden und hat sich danach von einer „Schreckschraube“ in eine versöhnliche und verständige Politikerin verwandelt. Inzwischen nimmt sie von ihren politischen Freunden auch Ratschläge an und geht geduldig mit Gesprächspartnern um. Luiz Inácio Lula da Silva hat beschlossen, bis zu den Wahlen, seine Kronprinzessin Dilma Rousseff mit der geballten Kraft der Regierungsmaschinerie zu unterstützen. Allerdings nur nach Dienstschluss, wie er lächelnd anmerkte.