Die Europäische Union will Argentinien bei der Welthandelsorganisation (WHO) anklagen, weil das südamerikanische Land getarnte Handelsbarrieren aufgebaut hat. Die Ankläger der EU beschuldigen Argentinien, Einfuhren von Nahrungsmitteln wie englischem Tee, italienischer Pasta oder griechischen Pfirsichen durch willkürliche Maßnahmen der zuständigen Behörden zu erschweren. Ein Vertreter der Europäischen Union sagte aus, dass mehrere Container mit Waren aus Europa schon seit etwa vier Wochen im Hafen von Buenos Aires nicht freigegeben wird.
Der Streit zwischen Argentinien und der EU erschwert auch die Wiederaufnahme der Gespräche über ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und dem südamerikanischen Wirtschaftsverbund Mercosur, zu dem sich die Länder Uruguay, Paraguay, Brasilien und Argentinien zusammengeschlossen haben. Erst im Mai 2010 waren die Verhandlungen auf einem europäisch-lateinamerikanischen Gipfeltreffen neu aufgenommen worden, nachdem sie seit 2004 ruhten.
Abgesandte der argentinischen Regierung streiten alle Vorwürfe der EU kategorisch ab. Sie betonten, dass keine Einfuhrbeschränkungen existieren. Die Lebensmittelexporte aus der EU sind sogar im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent gestiegen. Die EU-Vertreter beharren aber darauf, dass es Importverzögerungen gibt, die nicht auf der Basis von Gesetzen ablaufen sondern auf der Grundlage interner Rundschreiben und der mündlichen Anweisung des argentinischen Staatssekretärs Guillermo Moreno, der für den Binnenhandel in Argentinien zuständig ist.
João Aguiar Machado, der Chefunterhändler der EU gegenüber dem Mercosur, verteidigt die Anklage der Europäischen Union gegen Argentinien: „Tatsache ist, dass die Container im Hafen festhängen. Maßnahmen dieser Art beeinträchtigen das Vertrauen in die Führung der Verhandlungen.“
Der argentinische Staatssekretär für internationalen Handel, Alfredo Chiaradio, relativiert die Anschuldigen der Europäischen Union und greift seinerseits die Europäer an: „Die EU macht einen Berg aus einem Maulwurfshügel. Mit 120 Milliarden Dollar Subventionen und anderen Schutzmaßnahmen für ihre Landwirte ist die EU weltweit die Region mit dem größten Protektionismus in der Landwirtschaft.“ Für Alfredo Chiaradio ist die Affäre ein eher kleines Problem, da die Lebensmittelimporte aus der EU im vergangenen Jahr nur zwei Prozent aller Lieferungen aus Europa nach Argentinien ausmachten.