Fidel Castro hat sich zum ersten Mal seit vier Jahren im kubanischen Fernsehen ein Interview gegeben. Seine letzten beiden öffentlichen Reden hatte der Comandante en Jefe am 26. Juli 2006, anlässlich des 53. Jahrestags des Revolutionsbeginns in Kuba, in Bayamo und Holguin gehalten. Noch in derselben Nacht zog er sich wegen einer schweren Darmerkrankung aus der Öffentlichkeit zurück. Danach waren nur noch vereinzelt Fotos des schwer gezeichneten Politikers zu sehen.
Der Präsident von Kuba gab daraufhin die meisten seiner politischen Ämter ab und schrieb von da an nur noch Kolumnen. Sein Bruder Raúl wurde zum neuen Präsidenten ernannt. Jetzt ist Fidel Castro innerhalb kürzester Zeit gleich zwei Mal in der Öffentlichkeit aufgetreten. Zuerst besuchte er das Forschungszentrum CNIC, anschließen trat er im Staatsfernsehen auf. In der TV-Sendung „Mesa Redondo“ gab der Expräsident dem Journalisten Randy Alonso ein Interview.
Das Gespräch drehte sich vor allem um die gefährlichen Ereignisse im Mittleren Osten. Fidel Castro warnte die westliche Welt und vor allem die USA mit folgenden Worten: „Die Drohungen gegen Iran stellen die ernsteste Krise der Welt dar, weil die iranische Regierung nicht zurückweichen wird. Wenn jemand glaubt, dass die Iraner davonlaufen werden, um die Yankees um Entschuldigung zu bitten, dann ist das absurd.“
Während des Interviews wurden in Kuba sieben Oppositionelle aus der Haft entlassen und zum Flughafen von Havanna gebracht. Von dort flogen sie mit spanischen Linienmaschinen nach Madrid. Zu den Ausgeflogenen gehörten die Journalisten Pablo Pacheco und Ricardo González mit ihren Familien. Wie der spanische Außenminister Miguel Ángel Moratinos verlautbarte, dürfen die Freigelassenen in Spanien oder einem anderen Land bleiben, aber auch jederzeit nach Kuba zurückkehren.
Viele Menschen in Kuba glauben, dass es kein Zufall ist, dass Fidel Castro gerade jetzt wieder in der Öffentlichkeit auftaucht. Er ist schließlich noch immer erster Sekretär der Kommunistischen Partei in Kuba. Ausdrücklich warte Fidel Castro in seinem Fernsehinterview die Vereinigten Staaten von Amerika vor einem Krieg mit dem Iran.