Ingrid Betancourt verlangt von Kolumbien kurzzeitig eine Entschädigung von 6,3 Millionen Euro als Ausgleich für ihre 3.320 Tage andauernde Geiselhaft bei der Guerillatruppe der Farc. Erst vor kurzem war die einst berühmteste Gefangene der Welt wieder einmal in Kolumbien, um den zweiten Jahrestag ihrer Befeiung zu feiern. Am 2. Juli 2008 hatte die Armee die ehemalige Politikerin und vierzehn weitere Geiseln befreit, mehr als sechs Jahre nachdem sie von der Farc entführt worden waren.

Zum zweiten Jahrestag der Befreiung organisierte das Verteidigungsministerium eine Feier und lud Ingrid Betancourt als Ehrengast nach Kolumbien ein. Die Stimmung bei der Zeremonie war ausgezeichnet, doch wohl nur deshalb, weil zu diesem noch niemand von den Gastgebern wusste, dass Ingrid Betancourt von der Regierung Kolumbiens 6,3 Millionen Euro Schadensersatz gefordert hatte. Sie begründete ihre Ansprüche damit, dass sich der kolumbianische Staat nicht genug um ihren Schutz und ihre Befreiung bemüht hat.

Als die Forderungen der Expolitikerin in Kolumbien bekannt wurden, schlug ihr eine Welle des Zorns entgegen. Der Vizepräsident Francisco Santos attackierte Ingrid Betancourt in ungewöhnlicher Schärfe: „Das ist ein Akt von Habsucht, Undankbarkeit und Opportunismus, der die Ablehnung der Kolumbianer und der Weltmeinung verlangt.“ Auch der linke Oppositionelle Gustavo Petro war nicht gut auf Ingrid Betancourt zu sprechen: „Die Farc haben sie entführt, nicht der Staat. Frei ist sie wegen einer erfolgreichen Militäraktion.“

Kurz darauf wollte Ingrid Betancourt keinen Schadensersatz mehr von Kolumbien. Sie sagte: „Die Entschädigungsanforderungen sind hinfällig.“ Inzwischen schütteln die Kolumbianer über die einstige politische Hoffnungsträgerin nur noch den Kopf. Vielen gilt sie als nicht mehr ernstzunehmende Diva.

Alle Medien erinnern Ingrid Betancourt inzwischen daran, dass sie sich bei ihrer Entführung trotz aller Warnungen in selbstverschuldete Gefahr begeben hat. Der Ex-Friedensbeauftragte Camilo Gómez bringt es auf den Punkt: „Die Zone war schlicht gefährlich.“ In Kürze soll ein Buch von Ingrid Betancourt über ihre Entführung erscheinen. Sie soll dafür rund sieben Millionen Dollar bekommen.