Sergio Vega wurde in der mexikanischen Stadt Los Mochis in Sinaloa von sechs Kugeln getötet. Der Ort ist fest in der Hand des Drogenbarons Joaquín Guzmán. Der Tote war einer der populärsten Sänger in Mexiko. Sein roter Cadillac war von mehr als 30 Einschusslöchern durchsiebt. Sergio Vega wurde nur 40 Jahre alt. Er sang Volkslieder, deren Themen der Handel mit Drogen, der Verrat und der Tod waren. In Zukunft wollte er nur noch Lieder über die Liebe singen. Doch die Drogenmafia hatte etwas dagegen.

In den vergangen drei Jahren sind in Mexiko fünfzehn Sänger und Autoren, die sich den narcocorridos verschrieben hatten. Der Ausdruck setzt sich aus dem Wort corrido, das die mexikanische Volksmusik bezeichnet und dem Wort narco zusammen, das für den Drogenkrieg steht, der mit unbarmherziger Härte in Mexiko herrscht. Die Instrumente und die Rhythmen, die bei dieser Musik verwendet werden, haben europäischen Ursprung. Das Genre ist ein Gemisch aus Walzer und Polka, nur wesentlich härter gespielt, angepasst an die Verhältnisse in vielen Staaten Lateinamerikas.

Kenner der Drogenszene in Mexiko gehen davon aus, dass Sergio Vega tief in das Netz der Drogenkartelle verstrickt war. Nur so bringen es die Interpreten der narocorridos zu höchsten Ruhm und Ehren. Sie sind beliebt bei der einfachen Bevölkerung und bei den Frauen. Eine Hochachtung, die den meisten Drogenbossen, bei aller Macht, die sie genießen, verwährt bleibt. Nachdem die mexikanische Regierung eine Kampagne gegen die narcocorridos gestartet hatte, waren die Songs, die Mord und Totschlag glorifizierten, im Radio kaum noch zu hören. Doch ganz verbieten lassen sich die Lieder nicht, da sie von einer Realität berichten, über die sonst das eherne Gesetz des Schweigens herrscht.

Kurz vor seinem Tod hatte Sergio Vega noch einer Rundfunkstation ein Interview gegeben. Schon seit Tagen wurde im Grenzgebiet zwischen Mexiko und den USA darüber spekuliert, dass der populäre Volkssänger einem Attentat zum Opfer fallen könnte. Im Radio sagte Sergio Vega: „Ich, der über die krassesten Themen singe, hab` ein bisschen Ängstchen und muss an Gott denken.“