Der Argentinier Luis Pescetti ist ein Meister des Humors in der Kinderliteratur. Als die Diktatur in Argentinien herrschte, hat der Autor die Pädagogik seiner Heimat durch Humor und anarchistische Erzählungen von der Angststarre erlöst. Zu den Lieblingsgeschichten seiner Kindheit zählt Luis Pescetti die Märchen von Hans Christian Andersen, die er mit all seinen Vor- und Nachteilen liebte. In den 60iger Jahren gab es in Argentinien kaum Kinderliteratur, die meisten Kinderbücher waren Übersetzungen aus dem Ausland.
Hans Christian Andersen beschreibt eine Welt, die wenig mit der Realität zu tun hat: Es leben dort Hexen, Prinzessinnen und Räuber. Aber sie haben laut Luis Pescetti den Vorteil, dass sie frei von einer Vorsicht geschrieben sind, die in der Kinderliteratur der Jetztzeit dominiert. Ganz im Gegenteil – die Märchen zeichnen sich durch eine gewisse Brutalität aus, die aber so beschaffen ist, dass sie die Kinder verstehen können. Luis Pescetti findet es schade, dass es in der heutigen Kinderliteratur kaum noch Konflikte gibt. Denn die Literatur für Kinder hat ja auch die Aufgabe, den jungen Lesern die Welt zu erklären.
Die Kindergeschichten von Luis Pescetti sind ungewöhnlich und anarchisch. Beispielsweise fahren die Herren Poc und Moc über einen See und unterhalten sich über abwegige philosophische Probleme, während ihr Schiff langsam im Wasser versinkt. In einer anderen Erzählung mit dem Titel „Deme otro“ erzählt der argentinische Autor, wie eine Mutter ihr unfolgsames Kind in der Schule gegen ein gehorsames eintauscht. Das ist nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick erscheint. Eine Kinderärztin in Argentinien sagte zu Luis Pescetti: „Solche Aussagen höre ich ständig.“
Der Humor ist für den argentinischen Dichter ein Ausdruck der Lebenskraft. Humor kann für ihn dieselben Wirkungen entfalten wie eine Ganzkörpermassage. Der Masseur sucht im Körper des Patienten die Verspannungen, die er lösen möchte. Ein guter Humorist sucht laut Luis Pescetti auch die Knoten, und im besten Fall bringt es diese so zum Lachen, dass sie sich von selbst auflösen. Im Herbst wird im SchauHör-Verlag sein erstes Buch auf Deutsch veröffentlicht.