Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner konnte bei ihrem Besuch in China die dortige Führung nicht davon überzeugen, wie früher argentinisches Soja in großen Mengen zu kaufen. Für den Boykott der Chinesen ist die Handelspolitik der argentinischen Staatschefin verantwortlich. Genauer gesagt, die Anordnungen des Binnenhandelssekretärs Guillermo Moreno. Er ist dafür zuständig, bei Privatfirmen inflationäre Preise zu unterdrücken oder Importe, die für die heimischen Produzenten gefährlich werden könnten, zu verhindern.

Guillermo Moreno sagt allerdings, dass es für die Einfuhr von Waren aus dem Ausland nach Argentinien keinerlei Beschränkungen gib. Auch Cristina Fernández de Kirchner verkündete auf dem jüngsten G20-Gipfel in Toronto, dass von irgendwelchen Handelshindernissen nicht die Rede sein kann. Auch die beunruhigenden Daten aus der Statistikbehörde Argentiniens haben sich seit der Neustrukturierung des Amtes in wohlwollende Zahlen verwandelt. Denn für die argentinische Präsidentin ist das Wort Inflation ein unaussprechliches Tabu. Eines ihrer politischen Prinzipien lautet, dass einfach nicht sein kann, was nicht sein darf.

In Regierungskreisen heißt es, dass Néstor Kirchner, der Vorgänger seiner Frau im Präsidentenamt, Guillermo Moreno seinen Posten verschafft hat. Kritiker der argentinischen Politik bemängeln, dass auch nach drei Jahren Regierungszeit der Präsidentin immer noch nicht klar ersichtlich ist, ob sie oder ihr Mann in Argentinien regiert. Zum Familienunternehmen der Kirchners gehören unter anderem der Kabinettschef Aníbal Fernández und der für die Ausarbeitung von Gesetzen zuständige Sekretär Carlos Zannini, der in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist, aber dessen Arbeit für die Präsidentin sehr wertvoll ist.

Carlos Zannini ist ein Meister darin, Dekrete ohne Lesungen im Parlament in Gesetze umzuwandeln. Trotz aller politischen Probleme ist Cristina Fernández de Kirchner gerade bei den einfachen Leuten in Argentinien sehr beliebt. Sie sind stolz auf ihre gut aussehende Präsidentin an der Spitze des Staates. Sie sagen, dass Eva Perón auch eine Frau von Welt gewesen ist. Die argentinische Präsidentin hat viel von ihr gelernt – selbst ihre Gesten gleichen immer mehr jenen von „Evita“.