Die Einwohner in Brasilien glauben fest daran, dass Gott ein Brasilianer ist. Er ist für alle Probleme ihres Alltags zuständig. „Se Deus quiser – so Gott will“ ist einer der beliebtesten Sprüche in Brasilien. Wenn Gott einmal das Flehen seiner Schutzbefohlenen nicht hört, werden von den Brasilianern die Heiligen angerufen. So ist beispielsweise Antonio für Liebesverwicklungen zuständig oder Expedito bei Dingen, die im Reich des nahezu Unmöglichen angesiedelt sind. In Brasilien haben Gott und die Heiligen immer ein offenes Ohr für Kompromisse, die so genannten Promessas.
Lange Zeit dominierte in Brasilien der Katholismus die übrigen Religionen. Es war das größte katholische Land der Welt. Heute leben in Brasilien auch die meisten Menschen, die in Pfingstgemeinden ihr Seelenheil und göttlichen Beistand suchen. Die Kirchen heißen Assembléia de Deus oder Igreja Universal und werden inzwischen von rund 13 Prozent der Brasilianer besucht. Vor allem beim armen Teil der Bevölkerung sind die Pfingstgemeinden sehr angesehen.
Manchmal sind die Gottesdienste in den brasilianischen Pfingstgemeinden eine Art Bezahlung für die Gnade, die Gott seinen Anhängern zugeteilt hat. Einer der Pfingstler ist Evanildo Santos, der mit Gottes Hilfe eine Stelle als Busfahrer bekommen hat. Überglücklich erzählt er die Geschichte im Gottesdienst seinen Glaubensgenossen, die ihm mit einem lauten „Gloria Deus“ antworten. Bis 2010 soll es in Brasilien für je 1.000 Brasilianer eine Pfingstgemeinde geben, so der Plan der Pfingstler. Mehr junge Gläubige als in Brasilien gibt es nur in Guatemala und Nigeria.
Die afro-brasilianischen Gläubigen in Brasilien feiern die Gottesdienste mit ihren Göttern lieber im Verborgenen. Nur wer sich initiieren lässt, wird in die Rituale der Naturreligion Candomblé eingeweiht. Die meisten Brasilianer halten allerdings Naturreligionen wie Candomblé, Umbanda oder andere afrikanische Religionen, die an mehrere Götter glauben, für nicht mehr zeitgemäß. Dennoch praktizieren sie immer noch einige Brasilianer als Zweitreligion neben dem Katholizismus und glauben nach wie vor an die göttliche Kraft der magischen Opfergaben.