Nicht nur Augenmenschen werden den Bildband „Reise durch Chile“ des Fotografen Karl-Heinz Raach und des Autors Georg Schwikart lieben, der nun in einer Neuauflage des Verlagshaus Stürtz herausgebracht wurde. In diesem Reiseführer dominieren eindeutig die Bilder über das Wort. 230 Aufnahmen zeigen Chile in all seinen geographischen Besonderheiten und kulturellem Reichtum.
Nur im ersten Kapitel steht der Text gleichwertig neben den Bildern. Hier wird Chile als ein Land beschrieben, wo die Welt zu Ende ist. Hier erfährt der Leser gleich zu Beginn etwas über die Geografie Chiles wie zum Beispiel, dass sich das Land über 4.300 Kilometer in Nord-Süd-Richtung erstreckt. Außerdem beschreibt Georg Schwikart, wie Chile unter das spanische Joch kam und wie es seinen Weg in die Selbstständigkeit antrat. Er berichtet auch von der Militärdiktatur und vom heutigen Chile.
In seiner Einführung fehlen auch nicht kurze Abschnitte über Essen und Trinken, Wirtschaft und Handel sowie eine Aufzählung von Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur. An erster Stelle nennt er den Dichter Pablo Neruda, der 1971 den Literaturnobelpreis erhielt. Weltberühmt ist natürlich auf die Schriftstellerin Isabel Allende, deren Bücher in 27 Sprachen übersetzt und Millionenbestseller wurden.
Karl-Heinz Raach und Georg Schwikart haben ihren prächtigen Bildband in drei große Blöcke sehr klar gegliedert: Im ersten Abschnitt zeigen sie die bizarren Wüstenlandschaften und die reichen Bodenschätze im Norden von Chile. Den zweiten Teil haben sie den Metropolen in mediterranen Klima, in Chiles goldener Mitte gewidmet. Die beschließen den Reiseführer mit den endlosen Weiten des Südens, in dem es dichte Wälder, Fjorde und gewaltige Gebirgszüge gibt.
Bei jedem der drei großen Blöcke gibt es einen kurzen Einleitungstext. Danach nur noch Bilder, die durch längere Bildunterschriften bestens erklärt werden, wie folgendes Beispiel beweist: „San Marcos, die Kathedrale an der Plaza Colón von Arica, ist eine neugotische Eisenkonstruktion von Gustave Eiffel in Paris. 1875 brachte man die vorgefertigten Teile von Frankreich nach Chile und setzte sie hier zusammen. Ebenfalls von Eiffel stammt das ehemalige Zollhaus (Aduana) der Stadt.“
Vier Specials, die jeweils zwei Seiten umfassen, unterbrechen die herrlichen Bilderseiten. Das Erste handelt vom Salpeter, dem Schatz der Atacama-Wüste. Das Zweite beschreibt den Chilenischen Wein, den die Einheimischen auch Nektar der Götter nennen. Das Dritte würdigt den Schriftsteller Pablo Neruda, der nicht nur in Chile als ungewöhnlicher Mensch, Politiker und Humanist bewundert wird. Das Vierte begibt sich zu den Osterinseln, dem so genannten Nabel der Welt.
Der gelungene Bildband zeichnet ein farbenprächtiges Kaleidoskop eines einzigartigen Landes. „Die Reise durch Chile“ ist im Mai 2010 erschienen und kostet 16,96 Euro.