Zurzeit schwellt die Nachbarschaftskrise zwischen Kolumbien und Venezuela. Doch die beiden Streithähne Álvaro Uribe und Hugo Chávez wiegeln ab. Der Präsident von Kolumbien, Álvaro Uribe, sagte: „Kolumbien hat niemals daran gedacht, den Bruderstaat anzugreifen. Chávez will nur seine Bürger täuschen. Kolumbien bemüht sich um das Völkerrecht, Venezuela darf keine kolumbianischen Guerilla mehr auf seinem Gebiet dulden.“
Beide Staatschefs sind begnadete Populisten und lenken ihre Bevölkerung mit ihren Reden gerne von den wahren sozialen Problemen in Kolumbien und Venezuela ab. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten der beiden Politiker auch schon auf. Vor kurzem hat Venezuela wieder einmal seine diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien abgebrochen. Streitpunkt ist die Guerillaarmee der Farc. Die marxistischen Rebellen bekämpfen die Regierung Kolumbiens jetzt schon seit 1964. Inzwischen ist die Farc allerdings geschwächt. Ihr Kommandant Alfonso Cano bot Álvaro Uribe sogar Friedengespräche an.
Hugo Chávez soll ein gutes Verhältnis zur Farc haben und bezeichnet sich selbst immer wieder als Revolutionär. Um das Verhältnis zwischen Kolumbien und Venezuela zu normalisieren hat Hugo Chávez das Grenzgebiet von der Armee durchsuchen lassen, die jedoch keine Lager der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) entdeckt haben sollen. Sein Konkurrent Álvaro Uribe soll den rechtsextremen Todesschwadronen nahe stehen, die in zwischen politisch so mächtig sind, dass die meisten ihrer Untaten nicht gesühnt wurden. Unter dem Konflikt leidet vor allem die Zivilbevölkerung – drei Millionen Kolumbianer sind auf der Flucht.
Doch es besteht die berechtigte Hoffnung, dass der diplomatische Konflikt zwischen Kolumbien und Venezuela beendet werden könnte. Der Nachfolger von Álvaro Uribe im Präsidentenamt, Juan Manuel Santos, möchte so schnell wie möglich mit Venezuela Gespräche führen, da die beiden Länder durch ihre umfangreichen Handelsbeziehungen extrem stark voneinander abhängig sind. Einen Boykott oder einen Krieg kann sich keines der beiden Länder leisten. Inzwischen ist auch ein Treffen der beiden Außenminister geplant. Außerdem will der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva in der Nachbarschaftskrise vermitteln.