Die kommunistische Regierung in Kuba will die Planwirtschaft lockern und Kleinunternehmer fördern, um die leeren Staatskassen zu entlasten. Da die finanziellen Probleme in Kuba gewaltig sind, will Raúl Castro in manchen Wirtschaftszweigen Selbstständige zulassen und Hürden für die Privatwirtschaft beseitigen. Diese Maßnahmen dienen unter anderem auch dazu, die wuchernde Staatsbürokratie einzudämmen und die negative Zahlungsbilanz umzukehren.
Der Präsident von Kuba, Raúl Castro, sagte im Parlament: „Die Änderungen werden Schritt für Schritt umgesetzt, aber im Rhythmus, den wir selbst bestimmen. Es geht um die Aktualisierung des kubanischen Wirtschaftsmodells.“ 51 Jahre nach der Revolution lehnte der Präsident allerdings einen Systemwandel strikt ab: „Der Sozialismus und die Staatswirtschaft sind unantastbar.“ Raúl Castro hatte bereits im Jahr 2006, nachdem er das Präsidentenamt von seinem Bruder Fidel Castro übernommen hatte, Reformen versprochen.
Inzwischen wurde auch brachliegendes Land, das dem Staat Kuba gehörte, teilweise Bauern zugesprochen. Die Kubaner dürfen inzwischen auch Fernseher und Handys kaufen, wenn sie das Geld dafür besitzen. Seit April 2010 dürfen Friseure selbstständige Unternehmer sein. Raúl Castro sagte: „Der Ministerrat hat beschlossen, die Arbeit auf eigene Rechnung zu erweitern, als Alternative für überzählige Arbeiter.“ Das Stammpersonal in den Staatsbetrieben soll langsam abgebaut werden. 20 Prozent der Menschen, die für den Staat arbeiten, werden eigentlich nicht gebraucht.
Raúl Castro versprach dem kubanischen Volk: „Niemand wird seinem Schicksal überlassen bleiben, aber man muss sich von der Idee verabschieden, dass Kuba das einzige Land der Welt ist, in dem man leben kann, ohne zu arbeiten.“ Noch sind auf der Insel 90 Prozent der Wirtschaft in den Händen des Staates. Die Finanzkrise hat Kuba stark zugesetzt, der US-Boykott beeinträchtigt die Ökonomie, Wirbelstürme und unzureichende Produktivität wirken sich negativ auf das Bruttosozialprodukt aus.
Es ist schon paradox, dass die fruchtbare Insel die meisten Nahrungsmittel aus dem Ausland einführen muss, wodurch die klamme Staatskasse unnötig belastet wird. Noch immer gibt es in Kuba Lebensmittelkarten, ein kaum fassbares Relikt aus den Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Die Kubaner kaufen auf dem Schwarzmarkt Waren, die sie sich auf reguläre Weise nicht beschaffen können. Der Peso verliert gegenüber dem Dollar immer mehr an Wert. Das sind die Errungenschaften des Sozialismus im Jahr 2010.