Valentín Mejillones, der Evo Morales zum ersten indianischen Präsidenten Boliviens weihte, ist wegen Drogenbesitzes verhaftet worden. Er ist ein Amauta, der geistige Führer der Aymara-Ureinwohner. Er war es, der dem heutigen Staatschef im Jahr 2006 den symbolischen Stab des Anführers übergab. Die Zeremonie fand in den Ruinen von Tiwanaku, in der Nähe des Titicacasees, statt.
Drogenfahnder fanden jetzt in seiner Mietwohnung in der Trabantenstadt El Alto, die hoch über La Paz, in einer Höhe von 4.200 Metern liegt, 240 Kilogramm Kokainpaste. Der Wert des Rauschgifts wird auf rund 300.000 Dollar geschätzt. Außerdem fanden die Fahnder in der Wohnung noch verschiedene andere chemische Substanzen, die zur Herstellung von reinem Kokain benötigt werden. Zusammen mit Valentín Mejillones wurden sein Sohn und zwei Kolumbianer verhaftet.
Jetzt hat in Bolivien das große Rätselraten darüber begonnen, ob der oberste Schamane des Landes als Rauschgifthändler Drogen verkauft oder ob er in eine Falle getappt ist. Valentín Mejillones weist jede Schuld von sich: „Ich wurde betrogen, ich habe nichts damit zu tun. Ich haben den beiden Kolumbianern einen Gefallen tun wollen, indem ich ihnen meine Räumlichkeiten überließ. Sie haben mir gesagt, dass die Kräuterpastillen und Pomade herstellen wollten.“
Für Evo Morales ist die Verhaftung von Valentín Mejillones unerfreulich. Kritiker werfen der Regierung schon seit längerem vor, beim Thema Koka nicht hart genug durchzugreifen. Der Soziologe Fernando Untoja sagte in einem Interview: „Die Regierung zerstört das Image des Landes. Sie drückt beim Drogenhandel beide Augen zu.“ Evo Morales selbst wirbt immer noch für die Verwendung von Koka zu medizinischen und spirituellen Zwecken.
Valentín Mejillones sitzt inzwischen im Gefängnis San Pedro von La Paz. Wann er wieder am 21. Juni das Neujahrsfest leiten wird, steht in den Sternen. In Tiwanaku, einer mystischen Kultstätte, die schon von den Inkas verlassen vorgefunden worden ist, herrschen an diesem Tag am Morgen meist eisige Temperaturen. Das Fest steht ganz im Zeichen der Pachamama, der Mutter Erde. Für Valentín Mejillones war dieser magische Ort der Nabel Amerikas.