Der Yasuní-Nationalpark in Ecuador hat eine Fläche von rund 1.000 Quadratkilometern und gilt als eines der artenreichsten Gebiete der Welt. In dem Areal am Rio Napo wurden fast 2.300 von Bäumen und Büschen katalogisiert. Außerdem leben dort fast 600 verschiedene Vogelarten, Hunderte Arten von Reptilien und Amphibien sowie Hunderttausende verschiedene Insekten. Den Nationalpark gibt es seit 1979. Zehn Jahre später wurde er von der UNESCO zum Biosphärenreservat ernannt.
Unter der Erde des Nationalparks liegen aber auch geschätzte 846 Millionen Barrel Erdöl, etwa 20 Prozent von Ecuadors Erdölreserven. Die Regierung musste sich jetzt zwischen der Förderung des Öls und der Erhaltung der Natur entscheiden. Die Natur hat vorerst gewonnen. Ecuador verzichtet auf das Ölgeschäft und erhält dafür von der internationalen Gemeinschaft 3,6 Milliarden Dollar, die Hälfte des vermuteten Gegenwerts des Erdöls. Das Projekt heißt Yasuní ITT, das Kürzel steht für das Ölfeld Ishpingo-Tambococha-Tiputini.
Der Vertrag wurde von Rebeca Grynspan von den Vereinten Nationen und vom Außenminister von Ecuador, Ricardo Patiño, unterzeichnet. Rebeca Grynspan lobte das Abkommen: „Ein exemplarischer Akt, um einen Desaster mit unumkehrbaren Folgen wie dem Klimawandel zu widerstehen, kühn und avantgardistisch.“ Der Vertragsunterzeichnung wohnte Präsident Rafael Correa, die halbe Regierungsmannschaft, Diplomaten, Umweltschützer und Reporter bei. Die Basis für den Präzedenzfall Yasuní-Nationalpark bildet ein UN-Treuhandfonds, mit dessen Geldern Ecuador den Schutz des Biosphärenreservats sichern soll.
Geplant sind Aufforstungen, die Einführung eines sanften Tourismus, Hilfe für sozial Schwache und Forschungsprojekte. Ecuador rettet die Welt mit diesem Vertrag vor 407 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Der amerikanische Ökologe Matt Finer sagte in einem Interview: „Ecuador erfüllt seine Verpflichtungen gegenüber der Welt. Man wird sehen, ob die Welt ihr Wort zu Yasuní erfüllt.“ Der Vertrag Ecuadors mit der Welt gilt als Gegenentwurf für die fragwürdige Ausbeutung ausgedehnter Gebiete, wie beispielsweise im Busch von Peru. Auch in Ecuador selbst, sind die Umweltzerstörungen noch lange nicht beseitigt, die der Erdölkonzern Texaco durch die Erdölförderung, dem Land als giftiges Erbe hinterlassen hat.