In Kolumbien wird schon seit einiger Zeit darüber gerätselt, was der scheidende Präsident Álvaro Uribe in Zukunft wohl machen wird. Nach acht Jahren Präsidentschaft übergab er das Amt seinem Nachfolger Juan Manuel Santos. Der Oberste Gerichtshof des Landes verhinderte eine dritte Amtsperiode des populären, rechtskonservativen Politikers. Vorübergehend hat Álvaro einen internationalen Auftrag erhalten. Er soll bei der Aufklärung des israelischen Angriffs auf einen Hilfsflotte vor dem Gazastreifen mitarbeiten.

Am 31. Mai 2010 hatten israelische Soldaten ein türkisches Schiff mit 500 Aktivisten, die sich für die Palästinenser einsetzen, angegriffen. Bei dem Kampf starben auf dem Schiff acht Türken und ein Amerikaner. Eine Kommission der Vereinten Nation will die tödliche Auseinandersetzung jetzt untersuchen. Nach anfänglichem Widerstand, hat die Regierung von Israel der Untersuchung zugestimmt. Die Leiter der Untersuchungskommission sind der Neuseeländer Geoffrey Palmer und Álvaro Uribe aus Kolumbien. Der weltgewandte Expräsident ist prädestiniert für diese Aufgabe.

Von der internationalen Gemeinschaft wird Álvaro Uribe als ein Mann für Krisenfälle betrachtet. Der Jurist, der in Harvard und Oxford studiert hat, spricht ein ausgezeichnetes Englisch. Seine Anhänger in Kolumbien verehren ihn, weil der die Macht der linken Farc-Rebellen entscheidend geschwächt und für mehr Sicherheit in den Großstädten und Überlandstraßen gesorgt hat. Allerdings wird der Ex-Staatschef von seinen Kritikern auch für einige Skandale verantwortlich gemacht. Während seiner Regierungszeit wurden mindestens 2.000 Zivilisten von Soldaten ermordet und danach als Kämpfer der Farc ausgegeben.

Álvaro Uribe war während seiner Regierungszeit ein enger Verbündeter des amerikanischen Präsidenten George W. Bush. Die amerikanische Regierung förderte die Armee Kolumbiens mit Milliardenbeträgen. Zu den geheimnisvollsten, politischen Triumphen zählte die Befreiung der Geisel Ingrid Betancourt aus den Händen der Farc, durch ein kolumbianisches Militärkommando am 4. Juli 2008. Die israelische Zeitung Haaretz schrieb damals: „An der Aktion sind Dutzende israelische Sicherheitsexperten beteiligt gewesen.“ Der israelische General Israel Ziv bezeichnete die Befreiungsaktion als „Entebbe Kolumbiens“.