Die mexikanische Stadt Ciudad Juárez zählt zu den gefährlichsten Städten der Welt. Jeden Tag werden hier von den Drogenkartellen Menschen ermordet. Im Schnitt sind es jeden Tag 22 Opfer. Damit belegt die Stadt den ersten Platz in der Mordrangliste in der Welt. Hier herrscht Krieg, mitten in Friedenzeiten. Genau so sieht es auch das Stadtoberhaupt José Reyes: „Als ob man in den Irak fährt.“ Es selbst übernachtet nur noch in Ausnahmefällen in Mexiko, meistens schläft er El Paso, auf der anderen Seite der Grenze in den USA.
Der Autor Charles Bowden hat Ciudad Juárez in einer Studie als „Murder City“ bezeichnet. Das schmerzt den Bürgermeister José Reyes und er sagt mit einem leicht resignierenden Unterton: „Wir suchen die Lösung des Problems. Aber viele Faktoren haben wir nicht unter Kontrolle.“ El Paso, auf der anderen Seite der Grenze zwischen Mexiko und den USA ist das totale Gegenteil von Ciudad Juárez. Sie ist eine der sichersten und aufstrebendsten Städte der USA.
Der Bürgermeister von Ciudad Juárez, José Reyes, besitzt wie viele Reiche der Stadt, in El Paso ein Haus. Er überquert die Grenze über einen Expressübergang. Das Stadtoberhaupt gibt indirekt den Vereinigten Staaten von Amerika eine Mitschuld an den katastrophalen Verhältnissen in seiner Stadt. Er sagt: „Im US-Grenzgebiet gibt es mehr Waffengeschäfte als Tankstellen. Im Norden der Rausch, im Süden der Tod.“ Das FBI hält die Drogenkartelle in Mexiko inzwischen für ebenso gefährlich wie al-Quida.
Inzwischen gibt es in Mexiko viele Menschen, die die Legalisierung der Drogen befürworten. Bürgermeister José Reyes ist da anderer Meinung: „Legalisierung ist keine Option.“ Auch er ist ein potentielles Opfer der Narcos. Noch etwa zwei Monate muss er den Killerkommandos der Drogenmafia entkommen. Dann endet seine Dienstzeit und er übergibt das Bürgermeisteramt seinem Nachfolger. Vermutlich wird José Reyes seinen Lebensabend nicht in seiner Stadt verbringen, sondern in El Paso. Dort ist es wesentlich sicherer.