Jorge, der seinen Nachnahmen nicht nennen will, wollte schon immer Vater werden. Der Mann der in der mexikanischen Stadt Guadalajara ist 31 Jahre alt und homosexuell. Das Kind soll David heißen. „Ich habe schon ein Zimmer für den Kleinen“, sagt Jorge. Inzwischen wächst der Nachwuchs seit fast sieben Monaten im Bauch einer Leihmutter heran. Bisher verlief die Schwangerschaft ohne Komplikationen, obwohl die Frau schon 50 Jahre alt ist. Sie wollte schon immer einen Enkel.
Wenn alles nach Plan läuft, wird sie nach rund neun Monaten den Sohn ihres Sohnes, der gleichzeitig ihr Enkel ist, gebären. Die Frau die das Kind austrägt, ist die Mutter von Jorge. Am Anfang fand Jorge die Idee schon ziemlich absurd, obwohl die Medizintechnik in Mexiko sehr fortschrittlich ist. Ein Gespräch mit seiner Mutter sollte sein Leben verändern: „Eines Tages rief mich meine Mutter an und hat mir erzählt, dass sie im Fernsehen erfahren habe, dass Großmütter die besten Leihmütter sind. Ich will die Leihmutter für dein Kind sein, hat sie gesagt. Ich habe geantwortet, du bist verrückt.“
Im Mai 2009 bekam Jorge die Eizellen für sein Kind von einer verheirateten Freundin. Die Einzellen wurden von Juan Manuel Casillas Santana entnommen und befruchtet. Viele Menschen in Mexiko halten das für widernatürlich. Doch Juan Manuel Casillas Santana hält dem entgegen: „Zum Glück kann ich den Leuten helfen, Leben zu schaffen.“ Der Sohn von Jorge wird etwa 60.000 Pesos kosten, umgerechnet rund 3.600 Euro. Am 9. November 2009 war die Mutter von Jorge schwanger. Sie sagt: „Ich habe es nie bereut. Im Gegensatz, es ist ein Vergnügen und Privileg, aber ich spüre die hormonellen Veränderungen.“
Jorge behauptet, dass die meisten Menschen in Mexiko, die er kennt, sein Vorhaben bewundern und unterstützen. Inzwischen macht er Vorbereitungskurse für das Leben als Vater. Außerdem will er nach San Francisco reisen, um an einem Kurs für schwule Eltern teilzunehmen. Er freut sich schon darauf, wenn er David in den Kindergarten bringen darf und für ihn das Essen zubereiten kann. Jorge sagt: „Mir war immer klar, dass ich mehr Mama sein wollte als Papa.“